Gesundheitswesen: Drei Trends für 2023

Auch im vergangenen Jahr hat die Pandemie das Gesundheitswesen weiterhin belastet und den Druck auf die ohnehin knappen personellen und finanziellen Ressourcen verstärkt. Gleichzeitig gab es in 2022 aber auch weitere wichtige Impulse in puncto Digitalisierung, die sich positiv auf die Versorgung der Patient*innen in 2023 und darüber hinaus auswirken werden: Bereits zum 1. Januar 2021 waren die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet ihren Versicherten eine ePA zur Verfügung zu stellen. Seit dem 1. Januar 2022 müssen auch Krankenhäuser die ePA für ihre Patient*innen nutzbar machen. Durch eine sogenannte „Opt-out-ePA“ wird eine große Verbreitung möglich. Die ePA wird damit für alle eingerichtet, außer für diejenigen, die aktiv widersprochen haben.

Gleichzeitig haben nun viele Krankenhäuser damit begonnen, die im Rahmen des KHZGs möglichen Investitionen in ihre digitale Infrastruktur zu tätigen und dadurch sowohl die Automatisierung von Arbeitsprozessen als auch die Vernetzung innerhalb des Gesundheitswesens voranzubringen. Außerdem hat die Messung des digitalen Reifegrads der Krankenhäuser, die im Zusammenhang mit der Förderung im Rahmen des KHZGs 2022 vorgenommen wurde, dazu beigetragen, mehr Klarheit über das Ausmaß der digitalen Reife der eigenen Organisation zu erhalten. Es ist zu erwarten, dass davon auch im Jahr 2023 weitere Impulse für die Digitalisierung ausgehen werden. Im Übrigen wird die gegenwärtig vom BMG erarbeitete Digitalisierungsstrategie des Gesundheitswesens und der Pflege dazu beitragen, ein weiteres wichtiges Momentum für eine bessere Gesundheitsversorgung zu schaffen. „Wir müssen die Potenziale der Digitalisierung für eine bessere Versorgung, eine bessere Pflege und einen besseren öffentlichen Gesundheitsdienst endlich vollumfänglich nutzen“, fordert Dr. Susanne Ozegowski, Abteilungsleiterin Digitalisierung & Innovation beim BMG in diesem Zusammenhang auf. Daten fällt dabei eine wichtige Rolle zu. Die Ankündigung der Europäischen Kommission einer Verordnung zur Schaffung eines europäischen Raums für Gesundheitsdaten wird auch der Datennutzung in Deutschland endlich mehr Gewicht geben, digitale Daten in den Dienst der Gesundheit zu stellen. 

Es sind insbesondere die Digitalisierung von Prozessen und die Erfassung von Daten, die im Jahr 2023 dazu beitragen werden, drei zentrale Trends im Gesundheitswesen zu unterstützen:

Trend 1: Verstärkung der sektorenübergreifenden Versorgung

So wichtig die Förderung einer besseren Akutversorgung durch das KHZG im Krankenhausbereich ist, so wichtig ist es auch, den Informationsaustausch zwischen allen Gesundheitseinrichtungen und Stakeholdern zu verbessern. Nur so kann es gelingen, dass die notwendigen Informationen an allen Stationen der Versorgungskette zeitnah zur Verfügung stehen. Der Ruf nach Innovationen und Investitionen in den intersektoralen Austausch wird lauter werden, sodass präklinische Notfallmedizin oder der ambulante Sektor einfacher als bisher mit den post-akuten Rehabilitationseinrichtungen und dem Pflegebereich, unter den die Langzeitpflege, Altenheime sowie die ambulante und intensivmedizinische Pflege fallen, kommunizieren kann. Dabei wird auch der öffentliche Gesundheitsdienst zunehmend mit eingeschlossen werden.

Trend 2: Krankenhäuser setzen sich zunehmend mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander

Auch aus dem Gesundheitswesen wird das Thema Nachhaltigkeit nicht mehr wegzudenken sein. Das Bewusstsein, dass die durch Gesundheitseinrichtungen ausgestoßenen Treibhausgase negative Auswirkungen sowohl auf die Umwelt als auch auf die Gesundheit der Menschen haben, wächst. Und dabei handelt es sich um beachtliche Mengen, denn weltweit stößt das Gesundheitswesen ungefähr doppelt so viele Treibhausgase aus wie der gesamte Flugverkehr.

Laut der 2019 von Health Care Without Harm (HCWH) veröffentlichten Studie “Health Care’s Climate Footprint” verursachte der europäische Gesundheitssektor circa 5 Prozent der europäischen Emission von Treibhausgasen. Das deutsche Gesundheitswesen, so derselbe Bericht, ist für 5,2 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen im Gesundheitswesen verantwortlich.

Nachhaltigkeit ist auch mit Blick auf den erforderlichen Beitrag des Gesundheitswesens zum Erreichen der europäischen Klima- und Energieziele für 2030 von großer Bedeutung. Daher wird es für Gesundheitseinrichtungen eine Priorität sein, an der Dekarbonisierung der Gesundheitsversorgung zu arbeiten. In Deutschland haben Krankenhäuser aller Größen bereits Anstrengungen in dieser Hinsicht unternommen, denn die Zeit drängt. In einem ersten Schritt versuchen sie die Menge der erzeugten Emissionen zu quantifizieren, um dann geeignete Maßnahmen zu deren Reduzierung einzuleiten. Dazu bedarf es sogenannter Treibhausgasrechner, die sich gegenwärtig noch stark in ihrer Fähigkeit unterscheiden, wie sie die verschiedenen Emissionsquellen abbilden. Gerade der größte Anteil aller Emissionen, der im Bereich der Lieferketten anfällt, wird bislang nur geringfügig, wenn überhaupt, berücksichtigt. Das Heidelberger Universitätsklinikum (UKHD) hat sich genau dieser Problematik angenommen. Mit seinem Projekt “Klimaschutz in Kliniken durch Optimierung der Lieferketten (KliOL)“ zielt es darauf ab, insbesondere die Treibhausgasemissionen aus den Lieferketten der Krankenhäuser zu bilanzieren und dann in weiteren Schritten Klimaschutzmaßnahmen am UKHD zu implementieren und deren Wirkungen auf die Treibhausgasbilanz, die Kosten sowie potenzielle gesundheitliche Effekte zu untersuchen. Auch die Universitätsmedizin Essen setzt im Impulse zum „Green Hospital“. So können Krankenhäuser, die keine eigenen lokalen Rechenzentren mehr verwenden und in die professionellen Rechenzentren von Cloud-Dienstleistern migrieren, zum Klimaschutz beitragen, da sie vom effizienten Design moderner Rechenzentren profitieren und etwa bereits älteren Endgeräten über die Cloud-Technologie neue Funktionen bereitgestellt werden können.

Trend 3: Der Fachkräftemangel erfordert von Krankenhäusern, attraktive Arbeitsbedingungen anzubieten

Der Mangel an Ärzt*innen und Pflegepersonal wird auch im Jahr 2023 eine große Belastung der Gesundheitsversorgung sein. In der Studie „Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen 2022“ schätzt PWC, dass die Zahl der offenen Stellen im Gesundheitswesen in Deutschland aufgrund des Mangels an qualifiziertem Personal von 290,000 im Jahr 2022 auf 1,8 Millionen im Jahr 2035 steigen wird. Gleichzeitig können sich 30 Prozent der für diese Studie befragten Fachkräfte nicht vorstellen, ihren Beruf bis zur Rente auszuüben.

Daher gilt es, im Jahr 2023 noch mehr Fachkräfte anzuwerben und gleichzeitig die Lücke, die durch die hohe Zahl unbesetzter Stellen entsteht, durch die Hebung von Effizienzreserven im ambulanten und stationären Bereich abzumildern. Dazu ist es erforderlich, Arbeitsprozesse mithilfe von Standardisierung und Automatisierung zu optimieren. Hier bringt der Einsatz von benutzerfreundlichen IT-gestützten Lösungen Erleichterung für das Personal – eine Auffassung, die auch von den Teilnehmer*innen in leitender Position der PWC-Studie bestätigt wird: 56,4 Prozent sehen die Digitalisierung als ein Mittel, mehr Zeit für Patient*innen zu schaffen, 50,2 Prozent hoffen, dass dadurch eine bessere Beobachtung von Gesundheitsdaten möglich wird und 47 Prozent sehen darin eine Entlastung der Arbeit, gefolgt von 38,4 Prozent bzw. 38,1 Prozent, die davon gesteigerte Patientensicherheit und Versorgungsqualität erwarten. 

Aus Sicht von Nuance können wir bereits heute durch unsere sofort und überall verfügbare Spracherkennungslösung aus der Cloud, Dragon Medical One, zu einer entscheidenden Prozessverbesserung und damit zu einer Entlastung der Fachkräfte beitragen. Verschiedene Fallstudien belegen, dass Personal im Gesundheitswesen durch Spracherkennung und Sprechen von Kommandos monatlich einen Tag oder mehr Zeit am Bildschirm einsparen und diese Zeit dann für medizinische bzw. pflegerische Tätigkeiten nutzen kann. Indem Krankenhäuser in Prozessverbesserungen investieren, die ihren Mitarbeitenden die Arbeit erleichtern, werden sie auch gleichzeitig zu einem attraktiveren Arbeitgeber, was sich positiv auf ihre Fähigkeit, neues Personal zu rekrutieren und existierendes an sich zu binden, auswirken wird.

Halten Sie im Laufe des neuen Jahres Ausschau nach unseren Updates, um zu erfahren, wie sich diese Trends entwickeln und was sie für Patient*innen und Mitarbeitende, Gesundheitseinrichtungen sowie die Zukunft der gesamten Gesundheitsversorgung bedeuten.

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Markus Vogel
Über Markus Vogel

Dr. med. Markus Vogel ist Chief Medical Information Officer (CMIO) und Senior Director Medical Accounts von Nuance Communications für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin war er in den Bereichen Neonatologie, Kinderintensivmedizin, Stoffwechselmedizin, Kindernotärztliche Versorgung und Infektionsmedizin u. a. am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie als Chefarzt am Krankenhaus Neuwerk in Mönchengladbach tätig. Während seiner langjährigen klinischen Tätigkeit hat Dr. Vogel erfahren, wie die mentalen und physischen Belastungen des Gesundheitspersonals durch gute, mit Technologie unterlegte Prozesse abgemildert werden können. Aus diesem Grund hat er sich entschlossen, auch in der Industrie zu arbeiten, um dort als Mittler zwischen Medizin und Medizintechnologie wirken zu können. Er möchte dadurch die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen und die dortigen Arbeitsprozesse verbessern. Hierbei kommt ihm zugute, dass er vor seinem Medizinstudium auch ein paar Semester Maschinenbau und Medizintechnik studiert hat. Bevor er im Oktober 2021 bei Nuance Communications als CMIO anfing, war er dort zuvor schon einmal als Clinical Consultant aktiv.